Konzept des

 

 

Waldorfkindergarten Benefeld

 

 

 

Unser Leitbild

 

„Erziehung ist Beispiel und Liebe, sonst nichts“

(Fröbel)

 

 

Die Grundlage und Quelle für unsere pädagogische Arbeit ist die anthroposophische Menschenkunde Rudolf Steiners. Aus diesem tiefen Verständnis für das Wesen des kleinen Kindes und seine Entwicklung sehen wir unsere Aufgabe darin, jedes Kind körperlich, seelisch und geistig in seiner Entwicklung zu stärken mit allem Respekt für individuelle und kulturelle Unterschiede. Der Waldorfkindergarten Benefeld möchte familienergänzend einen entschleunigten Lebensraum schaffen, in dem sich das Kind altersentsprechend und gesund entwickeln und in vertrauensvoller Atmosphäre eine stabile Beziehung zu sich und der Welt entfalten kann.

 

Die Rhythmisierung aller Lebensprozesse, das intensive Erleben der Natur und der Jahreszeiten mit ihren christlichen Jahresfesten ist für uns ein Leitfaden in unserer Arbeit und gibt dem sich entwickelnden Kind eine haltgebende Orientierung.

Neben den allgemein gesundheitsfördernden Aspekten unserer Pädagogik ist uns das Begleiten und Integrieren von Kindern mit besonderem Förderbedarf ein wichtiges Anliegen. Wir streben eine inklusive Heilpädagogik an, die auf eine menschlich und fachlich begründete Wahrnehmung und Hilfe ausgerichtet ist.

 

Unser Ziel ist es mit den Eltern einen offenen, vertrauensvollen Austausch und eine gute Zusammenarbeit in der gemeinsamen Verantwortung für die uns anvertrauten Kinder zu pflegen. Um die vielfältigen Aufgaben im Sinne der Kinder erfüllen zu können, bedarf es der Mitarbeit der Eltern in den verschiedenen Organen des Vereins und das Erleben der Gemeinschaft bei Festen und Veranstaltungen.

 

Eine achtsame Haltung dem Leben gegenüber, sowie das Wissen um die Vorbildwirkung des Erwachsenen auf das Kind und die damit verbundene Selbsterziehung, wird von allen pädagogischen Mitarbeitern als wichtiger Teil der Pädagogik anerkannt und gelebt.

 

Die Mitarbeiter des Waldorfkindergarten Benefeld verpflichten sich als selbstverwaltendes Team eigenverantwortlich alle  Aufgaben im Sinne des Leitbildes zu erfüllen. Der Träger stellt sicher, dass die Mitarbeiter regelmäßig interne und externe waldorfpädagogische Fortbildungen besuchen, um eine zeitgemäße Gestaltung unserer Aufgaben und Ziele zu ermöglichen.

 

Zur Pädagogik

 

 

„Wenn das Erziehen wirklich kraftvoll sein soll,

so muss es das, was im Menschen  aus dem tiefen

inneren seiner Wesenheit als Kindheit sich

herausentwickeln muss, in richtiger Weise pflegen.“

Rudolf Steiner (1922)

 

 

 

 

Im Mittelpunkt unseres pädagogischen Handelns steht das Kind und seine Individualität.

Dr. Rudolf Steiner, hat die körperliche, seelische und geistige Entwicklung des Menschen wissenschaftlich und spirituell erfasst, und aus dieser Erkenntnis heraus eine neue Form der Pädagogik geprägt: die Waldorfpädagogik, welche unsere Arbeitsgrundlage ist.

Wir sind ein christlich ausgerichteter Kindergarten ohne konfessionelle Bindung.

Aus diesen allumfassenden Grundlagen sollen im Folgenden einige wichtige Anhaltspunkte beschrieben werden, die das kindliche Wesen in besonderer Weise berücksichtigen.

 

Vorbild und Nachahmung

Die Lernkraft des kleinen Kindes ist die Nachahmung und somit für uns eines der wichtigsten pädagogischen Mittel, um die Kinder zur Tätigkeit und zum Erlernen sozialer Fähigkeiten zu führen. Als tätiges Vorbild in allen Situationen bemüht sich die Erzieherin die Kinder durch den Kindergartenablauf zu führen, indem sie auf die besondere Qualität ihrer Bewegungen,

Gesten und Sprache achtet und alle Handlungen mit den Kindern in einfachen nachvollziehbaren Schritten vorlebt.

Dadurch, dass das Kind über die Nachahmung immer direkt in seinem Bewegungs- und Tatendrang angesprochen wird, helfen wir ihm bei der Ausbildung und Ergreifung seiner

Willenskräfte, die stärkend in alle weiteren Lebensabschnitte fortwirken. Sind die Nachahmungskräfte einzelner Kinder geschwächt, wollen wir diese durch gezielte

Bewegungsanregungen mit direkter Hilfestellung neu im Kinde wachrufen, damit ihnen diese wertvolle Lernqualität nicht verloren geht.

Stehen die Kinder kurz vor der Einschulung werden neben der Nachahmung auch das Erwachen ihrer Vorstellung in bildhafter Weise (Rätsel, Märchen) genährt, und gleichzeitig

ihr Wille nach Körperlicher Ertüchtigung durch gezielte Anforderungen (Seilspringen, Stelzenlaufen, Regelspiele, Weben etc. ) unterstützt.

 

Rhythmus und Wiederholung

Rhythmus und Wiederholung wirken immer harmonisierend, sogar heilend auf den kindlichen Organismus und auch im Seelischen erfährt das Kind eine verlässliche Geborgenheit und kann sich dadurch innerlich frei und unbeschwert entwickeln.

Die durchweg rhythmische Gestaltung des Kindergartengeschehens (Tages-, Wochen- und Jahreslauf) entspricht dem Verlangen des kleinen Kindes nach Wiederholung und pflegt die Lebenskräfte (seelisches Ein- und Ausatmen durch Wechsel von Freispiel und geführtem Teil) und gute Gewohnheiten (z.B.: gemeinsamer Beginn und Abschluss des Essens, Begrüßung und Verabschiedung jedes einzelnen Kindes).

Bei den Tätigkeiten mit den Kindern ist die Erzieherin bemüht viele alltägliche wiederkehrende Dinge ( Kochen, Staubwischen, Bügeln, Spielzeugpflege, Pflanzen, Säen. ..) zu beleben, die sich stimmig und sinnvoll in den Tagesablauf integrieren und mit besonderer Rücksicht auf die Ausbildung und Pflege der Basissinne (s. Sinnespflege) des kleinen Kindes ausgeführt werden.

Der Jahreslauf mit seinen Jahreszeiten und christlichen Festen ist unser thematischer Leitfaden durch das Kindergartenjahr (s. Der große Rhythmus durch das Jahr).

 

Künstlerisches Gestalten

Kleine Verse und Lieder begleiten viele Tätigkeiten und finden so einen künstlerischen Ausdruck auch in den rhythmisch-musikalischen Angeboten wie Reigen, Handgestenspielen, Geschichtenerzählen, Puppenspiel und Eurythmie. Eine große Vielfalt an Liedkultur und Dichtkunst wird den Kindern zugänglich gemacht.

 

Hier können die Kinder verschiedene Stimmungen wie Freude, Dankbarkeit und Ehrfurcht erleben und erfahren durch die tägliche Wiederholung eine Festigung dieser Seelenhaltungen. Besonders zu den Festezeiten im Jahreslauf wird dadurch den Kindern ein tiefes Erleben der jeweiligen Festestimmung ermöglicht.

Das freie Malen mit Wachsmalblöcken oder Wasserfarben, sowie das Plastizieren mit Bienenwachsknete entspringt ganz frei den individuellen Nachahme- und Bildekräften der Kinder, nur durch den künstlerisch arbeitenden Erwachsenen angeregt.

In dem Wissen, dass künstlerische und sinnvolle Tätigkeiten der Erwachsenen die Kinder neben dem Mittun auch zu einem schöpferisch, phantasiereichen Spiel anregt, ist die Erzieherin immer zur (künstlerischen) Selbsterziehung und Vorbildfunktion aufgerufen.

Das schöpferisch freie Spiel der Kinder hat einen großen Stellenwert und wird als eines der wichtigsten entwicklungsfördernden und fantasiebildenden Tätigkeiten betrachtet. Natürliches, freilassendes Spielmaterial und eine gute, gesunde Raumqualität, zu der auch das jahreszeitliche Gestalten der Räume mit frischen Blumen und schönen Kunstdrucken gehört, sollen hier beste Entfaltungsmöglichkeiten für das kindliche Spiel schaffen.

 

Die Erziehung als eine Kunst zu begreifen und jedes Kind in seiner individuellen körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung zu unterstützen, ist das tiefe Anliegen der Waldorfpädagogik.

 

Das freie schöpferische Spiel als Grundlage

für Selbstbildung

Im Mittelpunkt des Tagesablaufes im Waldorfkindergarten steht das Spiel in seinen vielfältigen Variationen. Spielen kann und muss dabei mehr sein, als ein einfacher Zeitvertreib, soll den Bedürfnissen und der Entwicklung der Kinder Rechnung getragen werden. Bei genauer Beobachtung ist erkennbar, wie ernsthaft sich Kinder auf Spielsituationen einlassen, und wie sie vor allem dann tief befriedigt ein Spiel beenden, wenn sie etwas daraus oder daran gelernt haben.  Im Gegensatz zu Erwachsenen, die sich von einem Spiel meist gute Unterhaltung und Zerstreuung erhoffen, geht es Kindern darum Stück für Stück sich die Welt - und sich selbst- zu eigen zu machen. Der Begriff des ,,Lernens“ muss weiter gefasst, und nicht nur mit ,,stillsitzen" und „angestrengtem Nachdenken“ gleichgestellt werden.

 

Nie lernt ein Mensch schneller als in den ersten Lebensjahren, und nie ist er so offen, „ganz Sinnesorgan“, mit der Umwelt noch nahtlos verbunden. Dementsprechend sollte auch die Umgebung gestaltet sein:

 

Qualität statt Quantität - das gilt auch für die Qualität der Eindrücke, um die Kinder, die noch

keinen starken Halt in ihrem Inneren haben, nicht zu überfordern.

 

Anspruchsvoll und von guter Qualität soll sein, was den Kindern entgegentritt. So kann in diesen ersten Jahren der Orientierung in der Welt eine solide Basis und ein gesundes Empfinden für die Wahrhaftigkeit der eigenen Sinneseindrücke angelegt werden.

 

Dass etwas ,,so ist, wie es erscheint", also z.B. ein Holztisch wirklich einer ist, mit der

naturgemäßen Schwere, Elastizität, Belastbarkeit, Wärme, und nicht eine Kunststoffnachbildung mit völlig Holz-untypischen Qualitäten, vermittelt ein Vertrauen in die eigenen Sinne. An echten natürlichen Dingen können diese sich fein und differenziert ausbilden.

 

Was für das allgemeine Lebensumfeld gilt, gilt insbesondere auch für die Art und Beschaffenheit des Spielzeugs, denn wie alle Eltern wissen, kann für Kinder alles ein Spielzeug sein. Auf drei Kriterien wird im Waldorfkindergarten bei der Auswahl des Spielzeugs besonders geachtet:

1.  Innere Wert und äußeres Erscheinungsbild sollen übereinstimmen

2.  Eine sinnvolle Beschäftigung soll damit möglich sein, d.h. das Kind soll etwas Altersgemäßes daran lernen können, nicht nur unterhalten werden.

3.  Nicht „das Spielzeug spielt, das Kind schaut zu“, sondern das Spielmaterial gibt die Grundlage, einen Anhaltspunkt, an dem sich das Kind aus eigenem Antrieb heraus spielerisch mit der Welt vertraut machen kann.

 

Diese Eigenaktivität zu fördern ist eines der größten Anliegen der Waldorfpädagogik. Nur was wir uns selbst erworben, angeeignet haben kommt unserer Entwicklung zugute. Wer im handwerklichen, sportlichen oder künstlerischen Bereich Erfahrungen gesammelt hat, kennt den Unterschied zwischen reinem Wissen über Etwas und dem tatsächlichen Tun.

Schritt für Schritt finden die Kinder in ihrer Entwicklung mehr zu sich, dementsprechend

wandelt sich auch ihr Spiel von der völlig unbewussten Nachahmung des Säuglings, der z. B. ein Lächeln in seiner unmittelbaren Nachahmung einfach erwidert, bis hin zur bewussten Nachahmung großer Vorbilder bei Jugendlichen, verläuft ein fein abgestufter Entwicklungsweg.

In den ersten Jahren im Kindergarten wird das Spiel noch stark vom sichtbaren Vorbild bestimmt. Das sinnvolle Tun der Erwachsenen will nachgeahmt werden.

Dazu bedarf es aber nicht einer perfekten, funktionsfähigen und maßstabsgetreuen Nachbildung z.B. der Küche oder Werkstatt. Denn eine Kraft, eine zutiefst menschliche Eigenschaft muss ebenfalls gefordert werden: die Fantasie.

 

Nachahmen ist eben kein mechanisches Kopieren von Bewegungsabläufen und

Verhaltensweisen, sondern immer ein hingebungsvolles Eintauchen und individualisiertes Wieder-Geben.  Diese persönliche Note, die eigenständige Art des Tuns, entwickelt sich bei anregendem, aber immer noch freilassenden Spielzeug am Besten. Einfache Holzstücke, die nur entfernt an einen konkreten Gebrauchsgegenstand aus der Erwachsenenwelt erinnern, lassen den Nachahmungstrieb der Kinder mehr Freiraum. Sie geben die Anregung, die Kinder in diesem Alter noch brauchen, aber auch den nötigen Freiraum für die Fantasiekräfte. Wenn diese sich nicht betätigen können, führt dies schnell zu Langeweile und zum immer schnelleren Wunsch nach neuen Anregungen.

 

Der Aspekt der Wandelbarkeit des Spielzeugs spielt ebenfalls eine große Rolle: Da die

Fantasie der Kinder sich ständig an Dingen, die ins Blickfeld rücken, entzündet, müssen die verwendeten Spielzeuge vielfältig wandelbar einzusetzen sein, d.h., so wenig wie möglich auf eine einzelne Verwendung beschränkt sein. Nur dann können Spielprozesse ungestört ablaufen ohne die ständige Unterbrechung bei der Suche nach dem ,,passenden" Spielzeug. Und nur dann kann sich bei den Kindern das Glücksgefühl einstellen, etwas Echtes gemacht zu haben. Das ,,machen" bezieht sich hier vor allem auf die innere, fantasievolle Ergänzung des Gegenstands zum gerade für das Spiel benötigten Objekt. (z. B. Stock wird zum Brotmesser, dann Zug, ...)

 

Während das bis hier Dargestellte in erster Linie für die jüngeren Kindergartenkinder gültig ist, tritt etwa ab dem fünften Lebensjahr eine deutliche Veränderung auf. Immer mehr finden die Kinder zu sich und spiegeln nicht mehr so unmittelbar das äußere Geschehen. Immer weniger brauchen sie die direkte Anregung, das sichtbare Vorbild für ihr Spiel. Zunehmend suchen sie gezielt aus der Erinnerung heraus nach Dingen, die sie für eine bestimmte Spielsituation benötigen:

Unabhängig von Ort und Zeit werden erlebte oder erdachte Situationen nachgespielt, es

entstehen erstmals ganze Handlungsabläufe, das Spiel wird freier und ausdauernder. Auch hier hat die Fantasie einen herausragenden Stellenwert, sie ist der Schlüssel zum einen bei der Zusammenstellung und Verwendung der Hilfsmittel (wie unendlich vielfältig kann z. B. ein einfaches Tuch eingesetzt werden!), zum anderen beim Spiel selbst, wo sich aus derselben Spielsituation heraus immer wieder völlig neue Handlungsabläufe entwickeln können.

 

Des Weiteren übt sich das spielende Kind stetig in Kommunikation und Ausdrucksfähigkeit, da es im fantasievollen Rollenspiel nur in Absprache mit seinen Spielpartnern agieren kann. Auch die Sozialfähigkeit entwickeln die Kinder kontinuierlich in der Auseinandersetzung mit ihren Spielpartnern und den gemeinsam erdachten Regeln und Handlungsabläufen. Dass das Rollenspiel nur Freude macht, wenn jeder seinen Part hat und sowohl Rücksicht als auch Führung der Situation angemessen gebraucht wird, ist ein Lernprozess. Auch ein gesundes Maß an Bindung und Abgrenzung zu finden ist immer Teil des Spiels. Alle zwischenmenschlichen Bereiche werden so im Kleinen erprobt und erlernt.

 

Im selben Maße. wie die Kinder sich in ihrem Körper sicherer fühlen, und sich freier bewegen können, werden auch die körperlichen Grenzen täglich erprobt und Stück für Stück ausgeweitet. Es wird gelaufen, geklettert, balanciert, auf jede erdenkliche Art die Beherrschung des Körpers mit einer für Erwachsene kaum leistbaren Ausdauer und Begeisterung vervollkommnet. Diesem aktiven, lebhaften Spiel wird ebenfalls im Tagesablauf viel Raum gelassen, Kinder sind nun mal in erster Linie Bewegungsmenschen.

Die vielfältige Körperertüchtigung und differenzierte Bewegung schafft die leibliche Grundlage (z. B:Ausbildung der Synabsen) auch für geistige Entwicklung.

 

Die Entwicklung des Denkens wird über die Förderung körperlicher Entwicklung grundlegend  gestärkt und wird bewusst auf diesem Wege und nicht auf der rein intellektuellen Ebene erzielt.

 

Der gesamte Bereich des Fühlens, des inneren Seelenraumes bedarf einer behutsamen und kontinuierlichen Pflege und Unterstützung (durch die pädagogischen Mitarbeiter) Im Ablauf der Woche sind viele solcher Haltepunkte verankert, an denen gemalt, bei Reigenspielen gesungen und getanzt, musiziert oder einem Märchen gelauscht wird. Für die Kinder sind das meist geliebte und unverzichtbare Momente der inneren Ruhe, des zu-sich-kommens im lebhaften Tagesablauf. Weniger der Einzelne, als vielmehr die Gemeinschaft steht hier im Mittelpunkt - schon früh kann hier angelegt werden, was ein Leben lang trägt.

Entscheidend ist bei allem Tun aber das richtige Verhältnis von gezielter Aktivität und erfüllter Ruhe. Wie schon Goethe wusste, ist ,,im Atemholen zweierlei“ - ein- und ausatmen der Polaritäten, die nicht nur im Kindergartenalter, sondern im ganzen Leben in einem gesunden Verhältnis stehen.

 


 

Die Sinne als Tor zur Welt

In unserem Waldorf-Kindergarten kommt der Pflege der Sinne eine besondere Bedeutung zu.

Sie stellt ein wichtiges Element dar, damit die Kinder zu selbst- bewussten und aktiv- lebendig denkenden und handelnden Menschen heranwachsen. Die Sinnes-Pflege ist in den Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreslauf integriert und Bestandteil unserer Arbeit.

 

Rudolf Steiner beschreibt zwölf Sinne:

Die zwölf Sinne gliedern sich in drei mal vier Sinne, die in der Entwicklung besondere Berücksichtigung erfahren.

Die sogenannten unteren Sinne oder Basissinne werden im Vorschulalter schwerpunktmäßig gefördert, dies sind der Tastsinn, der Gleichgewichtssinn, der Eigenbewegungssinn (Raum-Lage-Sinn) und der Lebenssinn (Vitalsinn). Die Basissinne beziehen sich alle auf die Ausbildung des Leibes. Eine gesunde Eigenwahrnehmung ist die Grundlage für die Stabilität jeder weiteren Entwicklung und somit ein Schwerpunkt in unserer Sinnespflege im Vorschulalter.

Die besondere Qualität und Wahrhaftigkeit der Materialien im gesamten Kindergarten ermöglicht den Kindern vielfältige Tasterlebnisse und stärkt das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.

Im täglichen Spiel werden die unterschiedlichsten Tasterfahrungen gemacht an unseren naturbelassenen Materialien wie: Kastanien, Muscheln, Wurzelhölzer, Baumrinde, Seide, Wolle uvm.

Beim Plastizieren und Formen z.B. mit Ton, Lehm, Erde und Bienenwachs kommt das Kind seinem Grundbedürfnis nach, selbst zu gestalten und es werden Phantasie und die Vorstellungskräfte des Kindes angeregt. Es bekommt innere Bilder. Auch das Gestalten mit Wolle, insbesondere mit Märchenwolle ist eine wohltuende Tätigkeit, sowohl für den Tastsinn/die Berührung als auch für das Auge und den Geruchsinn durch den Eigengeruch der natürlichen Dinge.

In der Auseinandersetzung mit dem Tastsinn ist die Wahrnehmung der eigenen Körpergrenzen das, was die Kinder befähigt Selbstsicherheit zu erwerben.

In der Freispielzeit, sowohl täglich im Wald als auch im Garten, werden Eigenbewegungs-

und Gleichgewichtssinn, z.B. beim Schaukeln, Klettern, Wandern und Seilspringen, angeregt.

Das Bauen mit den natürlich gewachsenen Bauhölzern, die alle anders geformt sind und selten eine ebene Fläche haben, stellt eine besondere Herausforderung an den Gleichgewichtssinn der Kinder und befähigt sie, feine Wahrnehmungen für das Gleichgewicht und die eigene Geschicklichkeit auszubilden. Dies wiederum hat eine stärkende Auswirkung auf das seelische Gleichgewicht im werdenden Menschen und schärft die Wahrnehmung für das Kräfteverhältnis  der Dinge in der Umgebung.

Diese Sinne bilden die Grundlage für mathematische und geometrische Fähigkeiten im

späteren Schulalter.

 

Die Pflege der „Lebensrhythmen" im Tages-, Wochen-, Jahres- und Jahresfestelauf stärkt den Lebenssinn der Kinder und trägt zum Auf- und Ausbau der inneren Organe, z.B. von Herz und Lunge als Rhythmusorgane für Puls und Atem; Leber und Gehirn als Verdauungs- und Denkorgane, bei. Uns liegt viel daran, dass die Kinder einen gesunden Lebenssinn entwickeln können. Heiterkeit und Fröhlichkeit im Umfeld des Kindes stärkt den Lebenssinn.  Die praktische Umsetzung dieser inneren Gestimmtheit ist zugleich Pflege des Lebenssinns.

Farben und Formen in der Raumgestaltung sind ebenso gesundheitsfördernd wie die Ernährung mit biologisch-dynamischen Lebensmitteln. Eine ruhige Atmosphäre beim gemeinsamen Essen und die Achtung und Dankbarkeit im Umgang mit den Lebensmitteln pflegen wir in gemeinsamen Ritualen (z. B. Tischspruch). Jede Form von Rhythmus und Ritual stärken unsere natürlichen Lebensrhythmen und gibt ihnen Qualität und Wertigkeit, so dass das Kind eine Orientierung und Rhythmisierung seiner Lebensprozesse ausbilden kann.

 

Die weiteren acht Sinne gruppiert Rudolf Steiner in zwei mal vier Sinne die einmal stark mit dem Gefühlsleben und dann mit dem Denken verknüpft sind.

Zu den mittleren Gefühlssinnen gehören der Geruchssinn, der Geschmackssinn, der Sehsinn und der Wärmesinn.

Zu den oberen Denksinnen gehören der Gehörsinn, der Wortsinn, Gedankenwahrnehmungssinn und der Ich- Sinn.

Auch diese Sinne werden natürlich von Beginn an im Menschen angelegt und auch gepflegt. Die Basissinne haben jedoch, wie ihr Name schon sagt und oben erläutert wird, ihre besondere Stellung im Vorschulalter.

Die Kinder machen vielfältige Sinnes- Erfahrungen, z.B. über ihre Hände (Tasten), ihre

Nase ( Riechen), den Mund (Schmecken).

All dies geschieht z.B. beim gemeinsamen Brötchenbacken, beim Anrühren und Kneten des Teiges und beim Schneiden des Obstes für das Müsli. Dabei wird die Entwicklung des Geruchs- und Geschmackssinns gefordert. Gleichzeitig erleben sie die Gemeinschaft (Soziales Lernen, alle Sinne!), welches sich positiv auf das Wohlbefinden des Kindes auswirkt. Einen wichtigen Bestandteil des Kindergartenvormittags bilden Geschichten, Märchen, Reigen, Eurythmie als Bewegungskunstform sowie Handgesten-, Bewegungs- und Gegenüberspiele, die Wahrnehmung anregen und im Besonderen die Denksinne kindgerecht pflegen.

Die Pflege und das Wecken der musisch- künstlerischen Kräfte sind ein wichtiger Bestandteil in unserer Arbeit.

Das Malen mit (Wasser-)Farben pflegt die Sinne.

Das Kind taucht in eine Welt mit der Möglichkeit, sich über die Farben auszudrucken.

Es kommen neue Farbkompositionen, die sich dem Kind mit der Zeit immer mehr erschließen, z.B. bemerkt es, dass aus der Mischung von Blau und Gelb Grün wird.

Während des Malens findet das Kind ganz zu sich und bekommt ein Bewusstsein seiner

selbst. Es findet innere Ruhe und Ausgeglichenheit.

Auch die Musik spielt in unserem Kindergarten eine wichtige Rolle und ist Bestandteil der

Waldorfpädagogik. Sie trägt zur Pflege der Sinne bei. Die Kinder haben während der Freispielzeit die Möglichkeit, sich nach Absprache Instrumente auszuleihen, z.B. Harfe, Rasseln, Schellenkranz und Glockenspiel.

Das tägliche Singen sowie die Reigen, Eurythmie und Lieder, die sich im Tagesablauf immer wieder finden, tragen zur besinnlichen Stimmung bei und wirken beruhigend und stärkend auf die Kinder.

 

Pentatonische- und Quintenlieder, besondere Liedformen, Kinder- und Volkslieder gehören zu unserem Kindergartenrepertoire.

Die Harfe bzw. Leier ist Bestandteil unserer Arbeit und wird z.B. am Anfang und Ende eines Puppenspiels eingesetzt.

Der zarte Klang der Harfe führt durch seine harmonisch wirkende Melodie zur aktiven Ruhe bei den Kindern.

 

Das Kind ist in seinem Element, wenn es draußen in Regenpfützen springt, im Garten tätig ist und hier z.B. in der Lehmecke matscht oder mit Sand im Sandkasten seiner Arbeit nachgehen darf. Hierbei werden Tast- und Geruchssinn angeregt, gestärkt und gepflegt.

Tier- und Pflanzenbeobachtungen ohne lange, abstrakte Erklärungen bilden ebenfalls

Geruchs-, Hör- und SehsinDie Kinder riechen den Duft des Waldes, sie atmen ihn ein, sie sehen und erblicken Blumen, hören die zwitschernden Vögel und das Rauschen des Wassers.

All dies trägt zur Pflege der Sinne bei.

                                                          

                             Tagesablauf


Tagesablauf

Im Tagesablauf ist es uns sehr wichtig, den Rhythmus so zu gestalten, dass es der Tagesform der Gruppe/ Kinder entspricht und somit nicht an starre Zeiten gebundenist,  sondern lebendig bleibt und den Kindern ein „seelisches Ein- und Ausatmen“ ermöglicht

Begrüßung

Die Betreuungszeit beginnt um 7.30h.

Jedes Kind wird per Handschlag von den Erzieherinnen und Praktikanten begrüßt.

Ein ruhiges Ankommen der Kinder ist uns wichtig, gerne wird gemeinsam mit den Erzieherinnen ein Bild gemalt.

 

Singen

Um 7.45h treffen sich alle Gruppen in der Eingangshalle zum Singen und Begrüßen.

 

1.Freispiel

Zurück im Gruppenraum beginnt für die Kinder das freie Spiel. Die Kinder folgen ihren eigenen Spielimpulsen und es wird in allen Ecken und mit allen Materialien auch Tischen und Stühlen kreativ gebaut und es entwickeln sich Rollenspiele. Parallel können die kinder selbstständig malen, kneten, basteln, werken, nähen u.ä.

Die Erzieherinnen bereiten zeitgleich das Frühstück vor und auch hier sind die kleinen Helfer immer willkommen. Auch andere hauswirtschaftliche Tätigkeiten oder Handarbeiten werden von den Erzieherinnen mit viel Ruhe und Vorbildcharakter getätigt, um eine aktive aber ruhige Stimmung zu erzeugen, in der sich das Kind angeregt fühlt auch tätig zu werden.

Aufräumen/Übergang

Den richtigen Zeitpunkt für das Aufräumen erspüren die Erzieherinnen aus der Situation der Kinder heraus (ca. 9.30h).

Als Vorbild und Einleitung der Aufräumzeit bringen die Erzieherinnen ihren Arbeitsplatz wieder in Ordnung.

Wenn das „Aufräumlied“ gesungen wird, wissen alle Kinder, das die Spielzeit beendet ist und jedes Kind wird angehalten in seinen Möglichkeiten und seinem Alter entsprechend mit zu helfen, alle Gegenstände im Gruppenraum wieder an seinen Platz zurückzubringen. Hierbei helfen kleine Lieder und Rituale, die die Kinder gerne haben.

Gleichzeitig helfen einige Kinder den Tisch für das Frühstück zu decken.

Wenn das „Eisenbahnlied“ erklingt „fahren“ die Kinder angefasst in einer langen Schlange in die Garderobe.

Hier werden kleine Ratespiele o.ä. gespielt, bis alle Kinder auf der Toilette waren und sich die Händegewaschen haben.

Rhythmisch-musikalischer Teil

Nun folgt im Gruppenraum eine gemeinsame Betätigung in Form von Liedern, Fingerspielen oder dem waldorftypischen Reigen, wo sich die Kinder zu Gesang und Reimen miteinander künstlerisch bewegen. Thematisch wird der Jahreslauf in der Natur und die Jahresfeste aufgegriffen und über einen längeren Zeitraum täglich wiederholt.

Frühstück

Direkt im Anschluss wird gemeinsam gefrühstückt. Jedes Kind hat seinen eigenen Platz am Tisch. Die Kinder helfen beim Verteilen von Essen und Trinken und es wird mit einem Tischspruch begonnen, wenn alle Kinder versorgt sind. Am Tisch legen wir auf eine ruhige aber gesellige Atmosphäre wert und auch der freundliche Umgang miteinander und das gegenseitige Wahrnehmen wird hier erfahren.

Wir beenden das Frühstück mit einem gemeinsamen Händereichen und Danken.

2.Freispiel

Jetzt brauchen die Kinder wieder Freiraum und Bewegung. Die Kinder spielen im Garten und können dort wieder ihren Spielimpulsen und ihrem Bewegungsdrang frei folgen gerne gehen wir auch in den direkt angrenzenden Wald. Da können die Kinder neben dem Laufen und Klettern auch viel Neues entdecken z.B. mit Zweigen Höhlen bauen oder Zwergenhäuser errichten und sie mit Moos, Laub und Tannenzapfen schmücken uvm. Die Möglichkeiten für Erlebnisse und kleine Abenteuer sind hier unerschöpflich.

Auch das Erleben aller Wetterbedingungen gehört dazu.

Abschlusskreis

Im Abschlusskreis kommt die Gruppe noch einmal zusammen und zur Ruhe, bevor die ersten Kinder abgeholt werden.

Im Stuhlkreis im Gruppenraum lauschen die Kinder einer Geschichte oder sehen ein Puppenspiel. Inhaltlich erfährt hier das Kind eine Einheit zu den Liedern und Fingerspielen aus dem rhythmisch-musikalischen Teil.

Im Sommer wird der Kindergartenvormittag auch z.T. draußen beendet.

Um 12.00h werden einige Kinder abgeholt

Mittagessen

Ab 12.30h essen die Kinder gemeinsam Mittag, die Gewohnheiten und Rituale entsprechen dem vorangegangenen Frühstück s.o.

3.Freispiel und Abholzeit

In der verbleibenden Zeit bis zum Abholen um 13.30h haben die Kinder eine weitere Spielphase der Situation individuell angepasst drinnen oder draußen bis die Kinder abgeholt werden.

 

Das Schulkinderprojekt

 

Großen Wert legen wir auch auf die Arbeit mit den Kindern die dann im Sommer zur Schule kommen, unsere Königskinder! Nach Ostern bieten wir den Kindern einmal in der Woche einen etwas anderen Vormittag an. Die Königskinder nehmen sich selbst als „die Großen“ wahr und wollen neue Aufgaben und Herausforderungen erleben. Das angehende Schulkind will jetzt gefordert werden. Die Denkkräfte werden frei. Das Kind wird selbständiger d.h. unabhängiger in Gedächtnisleistung und Erinnerung und auch Humor und Witz kann es verstehen. Viel Freude bereiten in dieser Zeit lustige Geschichten, Wortspiele und Rätsel.

Besonders Märchen sind für das Vorschulkind „Seelennahrung“. Indem das Kind lauscht, gelangt es innerlich zur Ruhe und kann seinen Bilderhunger stillen, es taucht noch ganz in die Märchenwelt ein und identifiziert sich mit den Gestalten.

Der neuen Reife im Seelischen und den geistigen Fähigkeiten ist eine Reifung im Körperlichen vorausgegangen und auch hier wollen die Kinder neue Fähigkeiten erproben. Die Kinder weben, nähen, sticken und werken und sie messen auch gerne ihre körperlichen Kräfte in Schnelligkeit und Geschicklichkeit im angrenzenden Wald bei großen und kleinen Abenteuertouren.

Bei den Ausflügen in die nähere Umgebung, lernen die Kinder Selbständigkeit und Eigenorganisation (wo ist mein Rucksack?), sowie das Treffen besonderer Absprachen.

Sie lernen neue unbekannte Situationen zu meistern, Mut aufzubringen, Regeln einzuhalten und Gemeinschaftssinn zu entwickeln.

Mit einem Abschlussfest wird das Königskinderprojekt kurz vor den Sommerferien beendet.

 

 

Was wir an dem Kinde tun,

das tun wir nicht bloß für den Augenblick,

sondern für das ganze Leben. (...)

Die Gesundheit der älteren Menschen

auf Erden ist abhängig von der Art

und Weise, wie man sich verhält im

kindlichen Lebensalt zur Seele.

 

                                          Rudolf Steiner

 

Der große Rhythmus

 

durch das Jahr

 

Die Jahreszeiten mit ihren zugehörigen Jahresfesten geben unserem Kindergartenjahr die zeitliche Orientierung. Rhythmus als naturgegebenes Geschenk erleben wir sowohl in den großen Rhythmen der Natur außer uns selbst - in Tag und Nacht, in den Jahreszeiten, im Wechsel von Ebbe und Flut usw. - als auch in den Rhythmen in uns Menschen, am deutlichsten spürbar in Herzschlag und Atem.

Besonders die Kinder brauchen, um sich gesund entwickeln zu können, eine Orientierung und Sicherheit vermittelnden Rhythmus, am Tag, in der Woche und auch übers Jahr.

Sie leben noch nicht nach der Uhr und dem Kalender, sie erleben die Welt noch nicht in Quantitäten sondern ganz unmittelbar und in Qualitäten. Sommer, Herbst, Winter und Frühling mit ihren Gegensätzlichkeiten und ganz unterschiedlichen Erlebnismöglichkeiten bilden den roten Faden durch unser Kindergartenjahr. Die Meilensteine in diesem Ablauf sind die Jahresfeste. Oft sind es längere Festezeiten, an deren Vorbereitung und Durchführung die Kinder unmittelbar beteiligt sind. Wir erleben gemeinsam die allmähliche Vorbereitung, den Festtag als Höhepunkt und lassen das Geschehen noch eine Weile ausklingen.

Das Erntefest, Michaeli, die Laternenzeit (St. Martin), Nikolaustag, Advent und Weihnachten. Nach dem Jahreswechsel dann folgen die Drei-Königszeit, Fasching, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten und Johanni sowie das Sommerfest alle Feste geben vielfältige Möglichkeiten für passende Lieder, Fingerspiele, Geschichten, Werk-, Bastel- und Küchentätigkeiten sowie Anregungen zu Rollen- und Puppenspielen.

 

Fast jeder Monat ist geprägt durch eine besondere, jeweils andere Festestimmung. Der September mit dem Erntefest soll hier als exemplarisches Beispiel ausführlicher

beschrieben werden. Etwa drei Wochen vor dem Fest beginnt jeder Tag zunächst mit dem Ausdreschen von Weizen- und Roggenähren. Dazu setzen sich die Kinder mit einer Erzieherin um den Dreschplatz. Dort ist ein großes Tuch am Boden ausgebreitet. An jedem Platz steht eine Holzscheibe und ein Holzklötzchen. Damit werden nun die bereitliegenden Ähren aus-

gedroschen, die Spelzen vorsichtig weggeblasen. Die Körner werden sorgsam in eine Schale gesammelt. Dazu erklingt ab und zu das Drescherlied. Es entsteht eine eifrig-konzentrierte Schaffensatmosphäre. Nach etwa 2o Minuten wird gemeinsam der Platz aufgeräumt, so geht nun etwa zwei Wochen lang jeden Morgen. Das Mitmachen ist freiwillig - aber am Ende haben auch die hartnäckigsten Zuschauer einen Einstieg gefunden und mitgeholfen das große Körnerglas zu füllen.

Ebenfalls während des Freispiels binden wir in dieser Zeit aus allen vier Getreidesorten eine Erntekrone. Im Reigen erleben wir ca. drei Wochen lang in darstellend-künstlerischer Form mit Liedern, Gedichten und den passenden Bewegungen den Werdegang des Getreides vom Korn zum Brot. Hierbei handelt es sich um eine von den Erwachsenen geführte Spieleinheit in die Kinder nachahmend einsteigen, jedes auf seine Art und nach seinem Vermögen. Die so wichtige Nachahmungstätigkeit wird hierbei gestärkt, Grob - und Feinmotorik angesprochen, die Sprachentwicklung ebenso angeregt wir auch die Phantasie - um nur einige Förderaspekte zu nennen.

Sind genug Körner beisammen wird nun täglich gemahlen, mit Kaffeemühlen zunächst und später auch mit der großen Handmühle. Alle Kraft wird dazu gebraucht, immer wieder sind die Kinder fasziniert von der Verwandlung der Körner zu Mehl und Schrot. Am Tag des Erntefestes wird dann daraus gemeinsam ein leckeres Erntebrot bereitet.

Aus dem Gemüse, das in liebevoll geschmückten Erntekörbchen mitgebracht wurde, kochen wir eine würzige Suppe, aus dem Obst wird ein köstlicher Nachtisch hergestellt. Dann nehmen wir gemeinsam an der mit Blumen und kerzengeschmückten Tafel unser Festessen ein.

Kulinarische Erntefülle erleben wir dann noch einige Tage nach dem Fest bis alles Mitgebrachte verarbeitet und verzehrt ist. So erleben und durchleben die Kinder in längeren komplexen Prozessen Welt- und Kulturzusammenhänge, entwickeln und schulen wie nebenbei Fein- und Grobmotorik, Geschicklichkeit und Konzentration Ausdauer, Spielfähigkeit und Phantasie, Bewegungs- und Sozialkompetenz, Sprechfähigkeit und Sprachverständnis, die Sinne und die Wahrnehmungsfähigkeit.

 

 

Die Integrationsgruppe

 

Die Integrationsgruppe besteht seit 1999. Sie umfasst insgesamt 17 Kinder, davon vier mit anerkanntem Förderbedarf. Diese werden auch heilpädagogisch betreut.

In der Arbeit mit den Kindern ermöglichen wir einen Entfaltungsraum, in dem jedes Kind seinen Fähigkeiten entsprechend sich entwickeln kann. Es wird mit sensiblem, wachem Auge auf das einzelne Kind geschaut, was es braucht, um eine gesunde Entwicklung durchzumachen. Fehlentwicklungen lenken wir sanft und gleichzeitig bestimmt in förderliche Bahnen. Die Kinder erfahren Respekt, Anerkennung und Wertschätzung.

 

Jedes Kind ist in den Gesamtzusammenhang der Gruppe eingebunden und kann so teilhaben am Geschehen, kann Sozialfähigkeit entwickeln. Kinder lernen miteinander und voneinander und befruchten sich gegenseitig.

Wir erleben Kinder mit großer Unruhe, mit Ungeschicklichkeit in körperlicher Hinsicht, mit Antriebslosigkeit und mit Sprachschwierigkeiten.

Neben den Kindern mit körperlichen und geistigen Behinderungen haben wir immer häufiger mit Kindern zu tun, die von seelischer Beeinträchtigung bedroht sind. Es sind Kinder, die  körperlich meistens unauffällig sind. Ihr Problem liegt im emotional-sozialen Bereich. Dazu gehören z.B. das  Autistische-Spektrum-Syndrom und das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom,  gepaart mit Hyperaktivität und alle möglichen Vorstufen dazu.

 

Es gibt Kinder, die sich nicht selbst beschäftigen können oder nicht in der Lage sind, mit anderen zusammen zu spielen. Sie erfahren Anregung, Hilfestellung, Förderung und Spielanbahnung. Sie bekommen Möglichkeiten vorgelebt und aufgezeigt, wie z.B. Kommunikation,  Interaktion und soziales Miteinander lernbar sind. Dadurch wird eine gesunde Entwicklung angeregt und unterstützt. Da diese Kinder mit besonderem Förderbedarf eine andere Ausgangslage haben, üben wir viele genannten Fähigkeiten im kleineren Zusammenhang. Dies dient dazu, die Kinder so zu stabilisieren, dass sie in einer großen Gruppe gut und sicher zurechtkommen können. Da diese Kinder oft sehr reizoffen sind, erfahren  sie einen Rückzugsraum, in dem sie mit weniger Kindern zusammen üben und ein intensives Spiel entfalten.

 

Wir sorgen für ausreichende Bewegungsangebote, um Ausdauer, Geschicklichkeit  zu üben und Freude an der Bewegung zu entwickeln. Durch alltagsintegrierte Sprachförderung wird die Sprachentwicklung unterstützt. Durch Rhythmus und Wiederholung, durch  bewegte, energiegeladene und in Stille zu sich kommenden Phasen entsteht ein gesunder Atmungsprozess zwischen Innen und Außen.

Durch externe Therapeuten erhalten die Kinder im Kindergarten Logopädie, Ergotherapie und Heileurythmie.

 

In enger Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten wird regelmäßig auf die Entwicklung des jeweiligen Kindes geschaut und beraten. Dazu gehören auch Hausbesuche, um die Kinder in ihrem häuslichen Umfeld zu erleben. Die Eltern erfahren Wertschätzung, ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Fragen und Unterstützung in der Erziehung der Kinder.

 

Konzept Wiegestube (Krippe)

 

 

 

 

 Begründung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Öffnungszeiten:

 

Abholzeiten:

 

 

 

 

 

 

Gruppengröße und Personal:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pädagogischer Auftrag der Gruppe:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Integrationskinder

 

 

 

 

 

 

 

 

Grundlagen der Pädagogik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Tagesablauf:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spätbetreuung:

 

 

 

 

Schlafenszeiten:

 

 

 

 

 

Übergänge und Rituale:

 

 

 

 

 

 

 

 

Eingewöhnungszeit in der Wiegestube:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übergang von der Wiegestube in den Kindergarten: 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eingewöhnungszeit beendet 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die achtsame Pflege:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Raum, Bewegung und freies Spiel:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Merkmale unserer Arbeit:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Förderung der freien Bewegung und des selbstständigen Spiels:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Jahresfeste:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Essen in der Wiegestube:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Entwicklung in unserer Gesellschaft erfordert aus den unterschiedlichsten Gründen und in zunehmender Weise die Einrichtung familienergänzender Betreuung für Kinder unter drei Jahren.

Um den Bedürfnissen der Kinder im Alter ab ein bis drei Jahren gerecht werden zu können, eröffneten wir 2006 die Wiegestube in einem neu errichteten Gebäude, direkt neben dem Kindergarten. Das kleinkindgerechte Außengelände und das des Kindergartens sind nebeneinander und durch eine Pforte miteinander verbunden. Dadurch nehmen die Krippenkinder alle Erzieher und Erzieherinnen sowie die Kindergartenkinder der gesamten Einrichtung im Garten und beim morgendlichen gemeinsamen Singen wahr. Das erleichtert zum späteren Zeitpunkt erheblich den Übergang von der Wiegestube in die Kindergartengruppe.

 

7.30 Uhr bis 13.30 Uhr

 

·      Vor dem Mittagessen um 12.00 Uhr

·      Nach dem Mittagessen um 12.30 Uhr

·      Spätbetreuung individuell bis 13.30 Uhr 

 

In der Krippengruppe werden 13 Kinder im Alter von 1-3 Jahren von einer Waldorferzieherin, einer  Erzieherin und einer Sozialassistentin, die nebenberuflich die Ausbildung zur Waldorferzieherin absolvieren, betreut.

Im Team unterstützt uns eine Bundesfreiwilligendienstleistende im hauswirtschaftlichen und pädagogischen Bereich.

Gerne begleiten wir Praktikantinnen auf ihrem Ausbildungsweg zum Erzieher oder Sozialassistenten.

Laufende Fortbildungen im Elementarbereich und der Erwerb von Kenntnissen der Anthroposophie sind wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit.

 

In der Wiegestube finden die Kinder eine familienergänzende Erziehung, Bildung, Förderung und Betreuung. Sie erhalten durch fachlich geschulte Pädagogen eine altersentsprechende Förderung, die eine gesunde soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung gewährleistet. Die Kinder sollen in dem familienähnlichen Zusammenleben in der Wiegestube eine verlässliche Beziehungsqualität und Geborgenheit erleben.

Ein wesentliches Anliegen ist uns eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern zum Wohle des Kindes. Die wichtigen Entwicklungsprozesse in den ersten drei Jahren sollen ungestört und optimal verlaufen können. Dazu ist eine partnerschaftliche und kooperative Zusammenarbeit zwischen Eltern und Pädagogen unerlässlich. Möglichkeiten der Ausgestaltung finden sich z.B.  in der täglichen Bring- und Abholphase, durch Elternabende und Elterngespräche, Hausbesuche, gemeinsame Festgestaltung und Angebote zur Elternfortbildung. Die Einrichtung steht allen Kindern und Eltern offen. Gerne möchten wir auch Kinder mit besonderem Förderbedarf aufnehmen, soweit dieses für die Mitarbeiter der Wiegestube leistbar ist. In dem unmittelbar benachbarten Waldorfkindergarten wird bereits seit vielen Jahren integrativ gearbeitet.

 

Grundlage der Pädagogik in der Wiegestube ist die Erziehungswissenschaft Rudolf Steiners.

·      Das Lernen des kleinen Kindes geschieht primär aus der Nachahmung heraus. Die Tätigkeiten der Erwachsenen im Tageslauf und die Beziehung zwischen Kindern und Erzieher/innen sorgen für die entsprechenden Vorbilder und Anregungen, an denen der Nachahmungswille des Kindes sich orientieren kann.

·      Auch die Gestaltung und Einrichtung der Räume sowie die Auswahl der Spielmaterialien spielen hier eine wichtige Rolle. Für die Wiegestube gelten hier altersentsprechend die gleichen Maßstäbe wie für den Waldorfkindergarten.

·      Ein rhythmisch gegliederter Tages-, Wochen-, und Jahresablauf unterstützt eine stabile körperliche, seelische und geistige Gesundheit. Rhythmus und Wiederholung geben den Kindern Sicherheit und Orientierung.

                                                             

In der Zeit bis zum vollendeten 3. Lebensjahr lernen die Kinder das Gehen, Sprechen und Denken. Dem muss durch fachlich geschultes Personal, durch die Raum- und Farbgestaltung und die Einrichtung sowie die Gestaltung der pädagogischen und pflegerischen Arbeit Rechnung getragen werden. Besonders wichtig ist eine Umgebung, die eine vielfältige Bewegungsentwicklung ermöglicht und Raum für eigene Erfahrungen gibt (vom Ergreifen zum Begreifen). Das schließt Zeit, Ruhe und Muße für ein freies Spiel und Experimentieren mit ein.

Wichtig ist eine Hüllenbildung durch eine liebevolle Atmosphäre, in der das Kind durch seine Bezugspersonen ein bedingungsloses Angenommensein und die Achtung seiner kindlichen Individualität erfährt. Dieses bewahrt und entwickelt das Urvertrauen des Kindes in die Welt. Das ist die die Grundlage für alles weitere Lernen.

Die soziale Entwicklung wird gefördert durch das familienähnliche Miteinanderleben, gemeinsames Spielen, mithelfen, zusammen essen und den rhythmischen Teil. Auch für die Sprachentwicklung ist die herzliche Beziehung die Grundlage. Lieder, Verse, kleine Geschichten, Kniereiterspiele und Fingerspiele, oft verbunden mit Bewegung und engem körperlichen Kontakt zum Erwachsenen, wecken und fördern den Sprachgeist und die Sprachfreude. Während des An- und Ausziehens, beim Wickeln, im Freispiel, aber auch durch einen geführten rhythmischen Spielteil, durch den Tischspruch und kleine Puppenspiele sind viele Möglichkeiten gegeben, damit die Kinder ihre Sprachfähigkeiten vielfältig ausbilden können.

 

Das Denken des kleinen Kindes ist noch sehr mit seiner Leiblichkeit verbunden (leibgebundene Intelligenz). Es ist von seinen Sinneswahrnehmungen und seiner Umwelt geprägt und führt nicht so ein starkes Eigenleben wie beim Erwachsenen. Denktätigkeit und Handeln sind noch eng miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Der Raum muss also so gestaltet sein, dass die Kinder ab dem Krabbelalter ihrem Welt- Erkundungs-Drang ungehindert nachgehen können, vielfältige Tätigkeiten bei den Erwachsenen mitmachen dürfen und Spielmaterial vorfinden, das dem Handlungsbedürfnis der ganz kleinen Kinder entgegenkommt. In der Wiegestube finden überwiegend Naturmaterialien Verwendung, da nur sie dem sich erst noch entwickelnden Tast-, Bewegungs- und Gleichgewichtssinn wirklichkeitsgemäße Informationen über die Gesetzmäßigkeiten geben, die auf der Erde wirken.

 

Der Tagesablauf hat eine klare Gliederung.

Ab 7.30 Uhr ist die Krippe geöffnet und die Kinder werden beim Ankommen herzlich begrüßt. Bis etwa 9 Uhr ist Freispielzeit mit der Möglichkeit an pädagogischen Angeboten teilzunehmen.

Gegen 9.00 Uhr wird aufgeräumt, alle sammeln sich zu einem kleinen Sitzkreis mit Fingerspiel und Gesang. Danach verteilen wir uns, gehen jeweils zum Händewaschen und Frühstücken in getrennten  Räumen, da die Gruppe sonst zu groß wäre.

Bevor wir gegen 10.00 Uhr nach draußen gehen, folgt die Pflegezeit. Einige Kinder werden gewickelt, andere gehen aufs Töpfchen oder zur Toilette.

Es folgt die zweite Freispielphase bis ca. 11.40 Uhr  im Freien auf dem Spielgelände oder auch im angrenzenden Wald.

Nach dem Ausziehen und Händewaschen gibt es einen Abschlusskreis bis 12.00 Uhr.

Einige Kinder werden nun abgeholt, die anderen gehen zum Mittagessen, das bis 12.30 Uhr dauert. Weitere Kinder werden nach dem Mittagessen abgeholt.

 

Von 12.30- 13.30 Uhr ist Spätbetreuung. Die Kinder werden in dieser Zeit nach Bedarf abgeholt.

 

 

Die Schlafzeiten  werden mit den Eltern abgesprochen und  individuell den Bedürfnissen der Kinder angepasst.

Jedes Kind hat ein eigenes Bett.

 

Übergänge sind für Kinder manchmal schwierig zu bewältigen. Wir gestalten diese möglichst stressfrei, z.B. singen wir Lieder bevor und während wir aufräumen. Auch zum Händewaschen oder beim An- und Ausziehen helfen Rituale, Lieder und Sprüche, die die Kinder gut durch den Tageslauf  begleiten.

 

Für die Eingewöhnungszeit planen wir ca. vier Wochen, manchmal auch bis zu sechs Wochen ein. Krankheiten und Urlaub während dieser Zeit verlängern diese oder machen sogar einen Neuanfang nötig. Man kann und sollte sich bei der Entscheidung darüber, wie lange man das Kind begleitet, am Verhalten des Kindes orientieren.

·      Beim Aufnahmegespräch wird den Eltern das Eingewöhnungskonzept beschrieben.                               Die Eingewöhnung des Kindes soll von einer einzigen Person begleitet werden. Das Kind und die Begleitperson bekommen zum Einleben in das Gruppengeschehen eine Bezugserzieherin hilfreich an die Seite gestellt.

·      Für das Kind ist alles neu und sein Aufnahmevermögen ist begrenzt. Wir bevorzugen für die Eingewöhnung die erste Freispielzeit am Morgen (7.30 – 9.00 Uhr).

·      Zu Beginn werden das Kind und die Begleitung etwa eine Stunde am Krippengeschehen teilnehmen. Die Bezugsperson wird in dieser Zeit, an einem Platz bleibend, der „sichere Hafen“ für das Kind sein.                In den ersten drei Tagen werden noch keine räumlichen Trennungsversuche stattfinden.

·      Ab dem dritten Tag sollen gruppenalltägliche Abläufe, wie der Morgenkreis, Händewaschen, Frühstücken und Wickeln in den für das Kind neuen Räumlichkeiten von den Eltern durchgeführt werden. Das Kind bekommt die Zeit, um sich vertraut zu machen und Sicherheit zu gewinnen.

·      Ab dem vierten Tag beginnt die Eingewöhnungserzieherin stufenweise pflegerische Aktivitäten im Beisein des begleitenden Elternteils zu übernehmen. Weitergeführte Gewohnheiten und Rituale erleichtern dabei die Eingewöhnung.

·      Am vierten Tag wird den Eltern vorgeschlagen, sich für ca. fünf bis zehn Minuten vom Kind zu verabschieden (zur Toilette gehen oder ähnlicher Grund) und den Raum zu verlassen. Die Reaktion des Kindes auf den ersten Trennungsversuch in der neuen Umgebung enthält wichtige Anhaltspunkte über die richtige Dauer der Eingewöhnungszeit. Die Faktoren hierfür sind individuell vom Kind abhängig. Es ist wichtig, dass die Erzieherin die Signale des Kindes kennenlernt und seine Gestensprache versteht.

·      Die Eltern und Bezugspersonen müssen für sich  Vertrauen erwerben, dass das Kind gut aufgehoben ist, andernfalls spürt das Kind das ambivalente Verhalten und wird sich nicht lösen können.
Es ist deshalb ein besonderes Anliegen gerade in der Anfangszeit einen intensiven Austausch miteinander zu pflegen.

·      Wenn das Kind eher gelassen mit der neuen Situation umgeht und den Eindruck vermittelt, dass es sich eingelebt hat, sollte die Phase der Eingewöhnungszeit als abgeschlossen betrachtet werden dürfen.

·      Die anfangs enge Bindung mit der Bezugserzieherin lässt Raum für Kontakte mit weiteren pädagogischen Fachkräften der Gruppe.

·      Nach etwa acht Wochen findet ein Rückblick auf den Eingewöhnungsprozess statt (Evaluation).

 


Wir beginnen etwa 6-8 Wochen vorher mit Besuchen des Kindes in die neue Gruppe, die von einer Erzieherin begleitet werden. Dort bekommt das Kind von einer neuen Bezugserzieherin die Möglichkeit sich mit den nötigen Gegebenheiten vertraut zu machen.
Bei gelungenem Prozess müssen die Eltern ihrerseits keine lange Eingewöhnungsphase einplanen.

 

Nach der gelungenen Eingewöhnungszeit ist die Beziehung zwischen Kind und Erziehenden die wichtigste Voraussetzung in der Krippenarbeit, denn das Kind ist angewiesen auf eine möglichst innige, verlässliche Bindung an eine oder mehrere Bezugspersonen. Lernen geschieht durch die Hilfe eines Menschen, der Liebe und Zuwendung schenkt, Vorbild und Anregung gibt, Wegweisung und Grenzsetzung vollzieht.

Feste Bezugspersonen geben dem Kind die Achtung seiner Individualität, Sicherheit im Leben, angstfreies Entwickeln und stärken ein gesundes Bindungsverhalten für das ganze Leben.

Der achtsame Kontakt der Bezugsperson während der Pflege ist eine Grundlage für die intensive Begegnung zwischen Kind und Betreuerin. Die pflegerischen Tätigkeiten basieren auf der Grundlage von Emmi Pikkler. Innere Ruhe und hohe Präsenz bei aller Pflege gehören zum Selbstverständnis und alle Handlungen geschehen in Kontakt mit dem Kind. Mit ruhiger liebevoller Sprache werden die am Kind zu vollziehenden Handlungen angekündigt, ihm wird Zeit gegeben mit zu tun. Durch diese intensive Zuwendung erhält es die Möglichkeit, seinem Alter und Vermögen gemäß selbstständig zu werden.

 

Pflegerische Tätigkeiten fallen an beim Wickeln, beim Händewaschen, Toilettengang, Nase putzen, Essen, An- und Ausziehen und das Pflegen der Sinne, durch Singen, Musizieren, Kneten, Matschen, Bewegung, Berührung und fröhlich sein.

Das Trockenwerden ist oft ein monatelanger Prozess, den Elternhaus und Erzieherinnen in kontinuierlichem Austausch begleiten. Das Kind selbst muss signalisieren, dass es sich dieser Herausforderung stellen will und die anderen Kinder können dabei bestenfalls als Vorbilder fungieren. Jeder Zwang oder Überredung blockieren die freie Willensentscheidung. Es kommt durchaus vor, dass Dreijährige, die in die Kindergartengruppe wechseln, noch auf das Windeltragen bestehen.

 

 

Das kleine Kind ist ein „Bewegling“ und benötigt genügend Freiraum und Möglichkeiten seine Motorik auszubilden. Das Kind lernt durch Bewegung und Spiel. Kind sein heißt spielen dürfen, denn Spiel ist die eigentliche Tätigkeit des Kindes, die es mit Freude ergreift. Es ist kein Zeitvertreib, sondern notwendige Arbeit an den eigenen Entwicklungsschritten. Nichts Zweckgebundenes ist dabei ausschlaggebend, sondern das reine Erproben, das Entdecken und Wiederholen. Zunächst noch ganz unbewusst und selbstvergessen, als ein rein leibliches Üben. Indem das Kind aus innerem Antrieb den eigenen Willen betätigt, hantiert und beobachtet, wie sich Objekte unter der Einwirkung seines Willens verhalten, so erzieht und bildet es sich selbst. Erst mit etwa zweieinhalb bis drei Jahren beginnt das von der Phantasie geleitete Spiel und der Bezug zur Welt erwacht.

Für die Raumerfahrung dienen entsprechende Materialien, wie verschiedene Stufen, Schrägen, Wippen, und Schaukelpferde (Schaukel), Podeste, Bänke, Höhlen, Tunnel, Regale und Tücher. Anregungen für die Sinneserfahrung bietet die Natur in vielfältiger Art. Die Kinder erleben die Tier- und Pflanzenwelt in unserem Garten. Während der Freispielzeit gehört das Mitmachen bei den Aktivitäten des täglichen Lebens zum festen Bestandteil des Krippentages.

 

 

 

·      Entwicklungsimpulse geben

·      Ermutigung durch Begleitung und Unterstützung (hilf mir es selber zu tun)

·      Verlässliche und klare Beziehungen aufbauen

·      Orientierung und Sicherheit vermitteln (gutes Vorbild)

·      Die äußeren Gegebenheiten den Bedürfnissen anpassen

·      Ausgeglichener Umgang mit Nähe und Distanz

·      Rituale zur Alltagsbewältigung schaffen

 

Damit soll das Kind befähigt werden

 

·      Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln

·      Entlastung und Hilfe einholen zu können

·      Stabile Ich- Struktur aufbauen

·      Autonomie weiter entwickeln

·      Fähigkeiten und Ressourcen zu nutzen und zu erweitern

·      Selbstregulationskräfte stärken

·      Steigerung des Selbstwertgefühls

 

 

Kinder spüren, was für sie gesund ist, z.B. wann die Knochen belastbar fürs Aufstehen sind. Wir haben Vertrauen zum Kind und fördern nicht vorzeitig. Es kommt auf die im Kind liegenden Gesetzmäßigkeiten an, die sich im Verhältnis zu seiner gestalteten Umwelt entfalten.

Es gibt für das Kind und seine Entwicklung kein Programm oder keine Norm. Großen Wert legen wir auf die Gestaltung der Umwelt des Kindes als wichtigen Bezugspunkt. Ein weiterer entscheidender Punkt ist es, dem Grundbedürfnis jedes Kindes alles selber tun und ausprobieren zu wollen, bewusst Raum zu geben.

Die freie Bewegungsentwicklung und damit die freie Entfaltung nach individuellen Zeitrhythmen ist die Voraussetzung für die sich daran anschließende Sprach- und Denkentwicklung und die Entwicklung des Selbstbewusstseins. Die Erziehenden wenden sich mit echtem Interesse dem Kind zu und nehmen es in seiner Individualität wahr. Es gelingt dadurch, nicht auf die Fortschritte in der Entwicklung des Kindes zu warten. Vielmehr geht es darum, die kleinsten Schritte wahrzunehmen, aber auch zu beobachten, warum ein Kind möglicherweise einen Schritt zurückgeht. Das Kind wird bei der Überwindung der Schwierigkeiten mit Vertrauen begleitet.

Ein fundiertes Wissen über die Entwicklung von kleinen Kindern ist die Grundlage, das Individuelle jedes einzelnen Kindes sehen zu können.

Laufende Fortbildungen im Elementarbereich sind wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit, z.B. das Krippentreffen und Fortbildungen des Heidekreises, hausinterne und anthroposophische Fortbildungen. Unsere  Arbeit richtet sich nach den Grundlagen der Pädagogik von Rudolf Steiner und auch Elementen von Emmi Pikkler.

 

 

 

 

Die Gestaltung der Feste ist ein wichtiges Element im Jahreslauf der Wiegestube.

Das kleine Kind ist mit all seinen Sinnen an die Vorgänge der Welt hingegeben, nimmt sie tief in sich hinein und „begreift“ ihren Sinn zunächst im nachahmenden Tun.

Die Aufgabe der Erwachsenen ist es, sich innerlich gut mit dem Inhalt und dem Charakter der Feste zu verbinden.

So ist es unser besonderes Anliegen durch unsere Gesten und die Liebe zu den kleinen Dingen, die Feste für die Kinder schön zu gestalten und sie sichtbar und erlebbar werden zu lassen.

Im Zusammensein mit dem „kleinen“ Kind ist das unendlich wichtig. Die Kleinsten sind umgeben von festlichem Geschehen, das sich in den natürlichen Jahreslauf als geistiges Band einflicht. Sie dürfen von Fest zu Fest leben und sich freudig ihrem Auf- und Abfluten hingeben.

Die christlichen Feste sind Menschheitsgut und den Kindern schon deshalb naturhaft nahe.

Anders als bei Geburtstagen und Familienfesten wird bei den Jahresfesten etwas gefeiert, das vielen Menschen gemeinsam ist, etwas das über das Persönliche hinausweist.

Kinder werden sich im Laufe der späteren Entwicklung gerne daran erinnern und selbst auf die Suche gehen nach den empfundenen Werten, die dem Fest die Fröhlichkeit und Stimmung gegeben haben.

 

 

·      Wir beginnen mit den Vorbereitungen für das Frühstück in der ersten Freispielzeit. Die Kinder dürfen bei bestimmten Tätigkeiten wie Gemüse schneiden, Brötchen backen, Apfelmus durch die Passiermühle drehen usw. mitarbeiten.
Es geht uns z.B beim Apfelmus herstellen um die Erlebbarkeit prozesshafter Projekte. Wir ernten die Äpfel aus dem Garten, waschen, schneiden, kochen sie, drehen das Gekochte durch die Passiermühle und essen das Apfelmus zum Milchreis.
Es darf immer probiert werden. Wir singen Lieder, die das Apfelthema aufgreifen, wir pflanzen die Apfelkerne ein und legen den Vögeln Äpfel als Futter hin.

·      Bei der Auswahl der Frühstücksmahlzeiten richten wir uns nach den von R. Steiner vorgegebenen Getreidetagen:
Montag – Reis – Milchreis und Apfelmus
Dienstag – Gerste- Knäckebrot mit vegetarischem           Aufstrich und Obst
Mittwoch – Hirse – Gemüsesuppe und Hirsebrot
Donnerstag – Roggen – Brötchen und Aufstrich und Obst
Freitag – Hafer – Haferbrei und Obst

·      In jedem Gruppenraum des Waldorfkindergartens Benefeld ist eine vollständige Kücheneinrichtung vorhanden.
Das Frühstück bereiten wir selbst zu.
Die haltbaren Lebensmittelvorräte wie Getreide, Tee, Gewürze usw. werden von einem Lebensmittelgroßhandel für biologische Lebensmittel bestellt und die Frischprodukte wie Milch, Obst, Gemüse und Aufstriche werden wöchentlich von einem ortsnahen Bioladen geliefert. Die Eltern zahlen eine Pauschale von 12,50€ pro Monat für das Frühstück und für das Mittagessen, welches in der hundert Meter entfernten Großküche der FWS- Benefeld täglich frisch zubereitet wird 2€ pro Essen.

·      Wir haben einen separaten Essraum, der zum Frühstück bzw. Mittag eingedeckt wird; dabei helfen die älteren Kinder gerne.
Das Essen wird gemeinsam am schön gedeckten Tisch eingenommen. Die Atmosphäre bei Tisch wird bewusst ruhig und gemütlich angelegt. Eine Mahlzeit dauert oft bis zu 30 Minuten.
Von den Tagesgerichten darf jedes Kind auswählen, wie viel und was auf den Teller soll. Der Zwang, etwas zu probieren oder vollständig aufessen zu sollen widerspricht unserem pädagogischem Verständnis.

·      Babies, die noch Breie benötigen, bekommen ihre passende Kost gekocht, auch zeitlich ihrem Bedürfnis gerecht werdend.

·      Das Frühstück beginnt ab etwa 9:30 Uhr, das Mittagessen um 12 Uhr. Zwischendrin gibt es Apfelstückchen, Rosinen und Getränke wie ungesüßter Tee und/oder Wasser.
Wir süßen, wenn nötig mit Honig oder Agavendicksaft, vermeiden Zucker.
Das Mittagessen ist immer vegetarisch.
Kinder, die durch Allergien oder Unverträglichkeiten eine besondere Kost benötigen werden mit einem individuellen Speiseplan berücksichtigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Sprachentwicklung

 

und -Förderung

 

Unsere Sprache ist ein wichtiges Mittel, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, zu

verständigen und mit ihnen zu kommunizieren. Mithilfe unterschiedlicher Laute und Gesten bringen wir beim Sprechen Gedanken, Gefühle und unseren Willen zum Ausdruck.

Durch die Sprache lernen wir die anderen Menschen, aber auch uns selbst besser kennen und verstehen.

Die Sprache bildet die Voraussetzung für viele Bereiche der altersgerechten Entwicklung,

zum Beispiel für das Lesen und Schreiben, das Sozialverhalten, das Denken lernen.

Sich bewegen, Gehen, Sprechen und Denken sind ganz eng miteinander verbunden.

Die Sprache bildet außerdem die Grundlage für das Denken. Sprache zeigt sich in vielen Dingen und ist allgegenwärtig.

Reigen, rhythmische Spiele, Finger-, Handgesten- und Puppenspiele, Märchen, sowie die Eurythmie unterstützen und regen die Sprache an. Über die Sprache hinaus erhält das Kind erste ,, Landkarten"- Kenntnisse seines eigenen Körpers. In der Eurythmie wird Sprache durch Bewegung sichtbar gemacht. Mit der Zeit erkennt es, wo sein Körper anfängt und aufhört und wie es sich im Verhältnis zum Raum und zu den anderen Menschen in Beziehung setzt. Die sorgfältig gewählten Bewegungen stärken die Sprachentwicklung.

Durch die Wiederholung der durchgeführten Reigen, Lieder, Rhythmen, Reime und Verse, die sich bei uns im Tagesablauf wiederfinden, können die Kinder diese besser und schneller verinnerlichen.

Die Sprachentwicklung wird durch das Erzählen und Lesen von Geschichten und Märchen

unterstützt.

Puppen-, Handgesten- und Bewegungsspiele bilden einen wichtigen Bestandteil im

Kindergartenalltag. Die Kinder mögen Puppenspiele und -theater, die sie später in ihr

Spiel integrieren und die sich ebenfalls förderlich auf die Sprachentwicklung auswirken.

Das Kind schlüpft in verschiedene Rollen und begleitet es mit Worten, es musiziert oder

probiert auf unterschiedliche Weise aus, wie seine Stimme klingt und wirkt.

Selbst durch Blicke und Gesten mit Händen und Füßen macht es auf sich aufmerksam und kommuniziert mit seiner Umwelt.

Sehr gewissenhaft geht die Erzieherin mit ihrer Sprache um, da sie um ihre Vorbildfunktion weiß und diese sehr ernst nimmt. Eine langsame, deutliche Aussprache sowie ein ruhiger angenehmer Stimmklang und eine vorbildliche, sinnvolle Wortwahl sind einer Waldorferzieherin in allen Lebenslagen selbstverständlich. Auch Gestik und Blickkontakt sind wertvolle Bestandteile der Vorbildfunktion bei der Kommunikation. Besonders hervorzuheben ist das bewusste Einsetzen von bildhafter Sprache, welche das kindliche Gedächtnis belebt und den kindlichen Phantasiekräften entgegenkommt. Alles intellektuell Erklärende lässt der kindlichen Bildsamkeit in Sprache und Gedanken wenig Raum und unterbindet das freie, forscherische Denken und wird daher weitgehend vermieden.


Partizipation und

 

Beschwerdemanagement

 

Als Elterninitiative ist die Mitwirkung und aktive Beteiligung der Familien im Kindergartenalltag grundlegend verankert und Teil der gegenseitigen Vereinbarung zwischen Eltern und Einrichtung.

Die Eltern können in Arbeitskreisen für Haus, Garten, Öffentlichkeitsarbeit etc. verantwortlich tätig werden und somit an der Gestaltung und dem Geschehen aktiv mitwirken und teilhaben. Durch die  freiwillige Mitgliedschaft im Trägerverein ist auch ein Stimmrecht bei Vereinssitzungen jeder Zeit möglich und eine Transparenz gewährleitstet. Eltern sind als Vorstandsmitglieder gewünscht.

Die Elternvertreter der einzelnen Gruppen sollen regelmäßig an der ersten Stunde der Kollegiums-Vorstands-Sitzung (KVS, siehe Kapitel „Organisation“) teilnehmen.

Wenn Eltern ein Problem in der Einrichtung haben, ist das direkte Gespräch mit der Erzieherin oder der Leitung gewünscht. Ein weiterer Weg ist die Nutzung unseres „Sorgenbriefes“. Der Sorgenbrief liegt im Kindergarten aus und kann ausgefüllt werden und wird in die Konferenz weitergeleitet. Das Kollegium erörtert das Problem und sucht gemeinsam nach Lösungen. Die Eltern erhalten in jedem Fall schnellstmöglich eine Antwort mit Vorschlägen für ein weiteres Vorgehen. Bei Bedarf wird auch Hilfe von Außen eingeholt, z. B. Fachberatung/ Supervision.

Die Eltern können den Sorgenbrief auch im Namen ihrer Kinder schreiben und so den Kindern ermöglichen, ihre Sorgen zu äußern.

Grundsätzlich legen die Erzieherinnen großen Wert auf ein stabiles Vertrauensverhältnis und der Erziehungspartnerschaft mit den Eltern. Regelmäßige Elterngespräche und Entwicklungsgespräche über das Kind, aber auch Telefonate oder Hausbesuche gehören zur gegenseitigen Wahrnehmung.

Die Kinder werden täglich individuell und mit Handschlag begrüßt und verabschiedet, die Erzieherin nutzt diese Begegnung um das Kind in seinem Wohlbefinden wahrzunehmen über Ansprache, Augenkontakt, Händedruck und Wärme. Hier hat das Kind die ungeteilte Aufmerksamkeit und es werden auch Befindlichkeiten oder Sorgen angesprochen. Grundsätzlich hat das Kind immer die Möglichkeit alle Erzieherinnen um Rat und Hilfe zu fragen und Wünsche mitzuteilen. Durch das Zusammenleben im Gruppenverband kennen sich alle Kinder und Erzieherinnen sehr gut und die Erfahrung zeigt, dass die Vertrautheit Familiencharakter hat.

Ein Grundzug der Waldorfpädagogik ist die Achtung der Individualität eines jeden Kindes in seiner Person und Entwicklung. Die Gestaltung der Abläufe und das pädagogische Handeln gibt den Kindern einen vorgegebenen, sinnvollen und verlässlichen Rahmen, der vom Kind mit seinen Bedürfnissen individuell ergriffen wird.

Das pädagogische Handeln der Erzieher und die Aktivität des Kindes als eine Wechselbeziehung zu verstehen, in der Erzieher und Kind beide Lernende sind, ist praktizierter Grundgedanke der Waldorfpädagogik. Somit ist gewährleistet, dass jedes Kind durch seine Individualität, seinen Charakter und Eigenart Mitgestalter und Teilhaber vieler Kindergartenprozesse ist. Dieses muss die Erzieherin fortlaufend in Selbstreflektion, Teambesprechungen und Konferenzen, Fachberatung oder Supervision überprüfen.

 

 

Organisationsstruktur

 

Verein und Vorstand

Der Waldorfkindergarten wird getragen von dem Verein " Waldorfkindergarten Benefeld e.V.“.  Mitglieder des Vereins sind jetzige und ehemalige Eltern aber auch andere Menschen, denen die Förderung der Waldorfpädagogik in Benefeld ein Anliegen ist.

Der Vorstand des Vereins wird alle drei Jahre von der Mitgliederversammlung gewählt.

Der geschäftsführende Vorstand besteht aus drei Personen. Im erweiterten Vorstand ist das Kollegium und ggf. weitere Eltern vertreten, die den Vorstand mit Rat und Tat unterstützen.

 

Geschäftsführung

Die Geschäftsführerin im Kindergarten-Büro arbeitet eng mit dem Vorstand zusammen. Meistens ist sie für die Eltern und die Öffentlichkeit die erste Ansprechpartnerin des Kindergartens.

Sie bearbeitet alle finanziellen und rechtlichen Angelegenheiten die mit dem Kindergarten-

besuch des Kindes verbunden sind.

 

Die PädagogInnen

Die Pädagoginnen arbeiten als selbstverwaltetes Team miteinander und leisten

neben der pädagogischen Arbeit mit den Kindern und der Elternarbeit die selbstverwaltenden Aufgaben für den Kindergarten. Die Gesamtkonferenz, kommt wöchentlich zusammen. Hier werden alle Belange der gemeinsamen pädagogischen Arbeit beraten und organisiert. Dazu gehören z.B. die gemeinsamen Feste, Gesamtelternabende, öffentliche Veranstaltungen, Beteiligung an regionalen und überregionalen Veranstaltungen, Konzeptentwicklung und Qualitätsarbeit sind weitere Aufgabenbereiche. Die regelmäßige und aktive Mitarbeit im Vorstand und Arbeitskreisen gehören ebenso zur Selbstverwaltung wie die Organisation von Haus- und Gartenpflege, Veranstaltungen im Haus und die Einrichtung neuer Angebote. Die Aufgaben im allgemeinen organisatorischen Bereich können nur in Zusammenarbeit und mit der Unterstützung des Vorstandes und der Eltern geleistet werden.

 

Leitung:

Das Kollegium wählt in der Konferenz zwei Erzieherinnen als Leitungsdelegation. Die betreffenden Personen übernehmen verantwortlich die Leitungsaufgaben des Kindergartens. Die Leitungsaufgaben sind personengebunden festgelegt. Ein wöchentliches Leitungstreffen mit der Geschäftsführung und die regelmäßige Teilnahme an den Vorstandssitzungen finden statt und werden in der Gesamtkonferenz  nachbesprochen.

Die Kindergartenleitung ist zweimal wöchentlich für die Eltern oder Außenstehende im Büro zu erreichen, Termine sind nach Absprache jeder Zeit möglich.

Die Leitung nimmt regelmäßig an den regionalen Leitungstreffen und Tagungen der Waldorfvereinigung teil, um den Kindergarten und seine Belange zu vertreten.

 

KVS:

Die Kollegiums-Vorstands-Sitzung findet alle zwei Monate statt und dient der Wahrnehmung, dem Austausch und der Zusammenarbeit der Gremien. Die Elternvertreter der einzelnen Gruppen sollen im Sinne der Transparenz regelmäßig an der erste Stunde der zweistündigen Sitzung teilnehmen. Alle Beteiligten werden schriftlich zur KVS eingeladen, die Tagesordnungspunkte sind vorab festgelegt.


 

Mitgestaltung der Eltern

Der Kindergarten ist durch die Initiative von Eltern entstanden. Sein Fortbestehen und seine Weiterentwicklung sind auch heute ohne das Engagement der Eltern nicht möglich.

Als freier Träger und kleiner Verein verfügen wir nicht über die finanziellen Mittel und

Möglichkeiten wie kommunale Kindergärten. Unter anderem die Haus- und Gartenpflege, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit sowie zusätzliche Spendeneinnahmen durch den  Martinsbasar werden durch Elternarbeit bewältigt.

Die gemeinsamen Aktivitäten machen oft viel Spaß und fördern den guten Kontakt

zwischen den Eltern und Kindern.

 

Die vier Säulen der Waldorfpädagogik

1. Vorbild und Nachahmung

 

Er-ziehung = Be-ziehung

 

Wenn man kleine Kinder genau beobachtet, stellt man fest. dass sie nicht dadurch etwas lernen, dass man ihnen die Welt erklärt, sondern dass sie in dieser Altersstufe durch Vorbild und Nachahmung lernen. Diese Fähigkeit der Nachahmung ist angeboren. Nachgeahmt wird das, was die Umgebung bietet. Der Mensch erlernt das Menschsein nur am Menschen in der persönlichen Umgebung. Das heißt für uns im Waldorfkindergarten: Alle Forschungen über Entwicklungsgesetze und Bedingungen des menschlichen Werdens haben insofern Gültigkeit und wirkende Bedeutung, als sie in der realen Begegnung zwischen den Erzieherinnen und den Kindern immer wieder neu entstehen. Das wichtigste Moment des Erziehungsgeschehen ist die stets neue Begegnung von Mensch zu Mensch.

 

Nachgeahmt wird nicht nur Bewegung und Sprache als solche, sondern auch wie man spricht, wie man sich bewegt . Die gesamte Qualität, die hinter unserem Sprechen und Verhalten steckt, wird mit übertragen. Je kleiner das Kind ist, desto mehr vermittelt sich ihm diese Qualität- häufig bis in die leibliche Bildung hinein. Der Kehlkopf des Kindes z.B. bildet sich organisch an der Art des Sprechen (und Singens) der Erwachsenen.

 

2. Rhythmus und Wiederholung

 

geben Sicherheit und Orientierung

 

Rhythmus und Wiederholung geben Sicherheit und Orientierung. Deshalb legen wir auf diese Elemente großen Wert.

Diese spiegeln sich in vielfacher Hinsicht in unserer pädagogischen Arbeit:

 

Im Tagesablauf

Freies Spiel, ggf. angeleitetes Spiel - Essen - freies Spiel -Schlusskreis (Geschichte, Spiel oder Puppenspie l)im Wochenlauf

 

Im Wochenlauf

bestimmtes Essen an bestimmten Tagen, feste zusätzliche Angebote

 

Im Jahreslauf

Jahresfeste, Geburtstagsfeiern, Schulkinderaktivitäten, Natur erleben

 

Als Menschen sind wir eingebettet in die großen und kleinen Rhythmen der Natur – in die auf der Erde und in die des gesamten Kosmos. Tag und Nacht bestimmen unser Leben ebenso wie der Wechsel der Jahreszeiten. Gleichermaßen sind wir beeinflusst von den Rhythmen unserer Leiblichkeit, wie sie sich z.B. im Herzschlag und der Atmung zeigen. Jeder Mensch hat seinen Biorhythmus und seinen individuellen Lebensrhythmus. Diesen zu stabilisieren ist besonders in der frühkindlichen Erziehung zu einer gedeihlichen Entwicklung dringend nötig.

 

3. Pflege der Sinne

 

zur reichhaltigen Entfaltung der Entwicklungsmöglichkeiten

 

Die Pflege der Sinne und der Sinneswahrnehmung dient der reichhaltigen Entfaltung der Entwicklungsmöglichkeiten und ist daher ein weiter Eckpunkt unserer Arbeit. Rudolf Steiner beschreibt 12 verschiedene Sinne, modernen Naturwissenschaften kennen heute auch längst mehr als die klassischen fünf. Im Alter zwischen 0 Jahren und sieben Jahren sind es vor allem die sogenannten „Basis-Sinne“, auf die unser besonderes Augenmerk gerichtet sein muss.

 

a) der Tastsinn

 

b) der (Eigen-) Bewegungssinn

 

c) der Lebenssinn

 

d) der Gleichgewichtssinn

 

Diese vier Sinne sind am stärksten leibgebunden. Gerade in den ersten Jahren findet hier noch eine grundlegende Entwicklung statt. Diese ist mit der Geburt eben nicht abgeschlossen. Der kindliche Organismus ist nur in soweit "fertig", als er ohne Verbindung zum Mutterleib lebensfähig ist.

Die Sinnespflege spielt für die gesunde Entwicklung eine entscheidende Rolle.

 

Wie und wodurch pflegen wir die Sinne?

 

Der Tastsinn

 

bekommt Anregungen durch viele unterschiedliche Tasterlebnisse

  • beim Obstschneiden, Teig kneten, Brot streichen
  • vielfältiges natürliches Spielmaterial
  • natürliches Material der Einrichtung - auch Spielmaterial, verschiedene Hölzer, Stoffe, Körbe,
  • Reigen und Fingerspiele
  • Draußen Spiel (Sand, Wasser, Feuer - Walderkundungen z.B.)

 Der Lebenssinn (veg. Nervensystem) wird gefördert durch:

  • rhythmischer Ablauf des Lebens
  • gesunde Lebensmitte
  • liebevolle, freundliche Atmosphäre
  • warme Kleidung, Geborgenheit

Der (Eigen-) Bewegungssinn entwickelt sich durch

  • vielfältige Bewegungsmöglichkeit für Grob- und Feinmotorik
  • freies Malen und Basteln
  • Bäume klettern, graben, bauen, Bewegungsspiele,
  •  Balancieren
  • Möbel tragen u. bauen...

 Gleichgewichtssinn wird geübt durch

  • klettern
  • balancieren
  • Jonglieren
  • Eurythmie
  • Reigen
  • Malen

 

4. Berücksichtigung der Entwicklungsphasen

 

"zu früh" ist ebenso hinderlich wie "zu spät"